In der Schmiede sagen wir: „Ein scharfes Werkzeug schneidet das Material, ein stumpfes Werkzeug zerreißt es.“ Am Huf wollen wir saubere, glatte Oberflächen. In dieser Lektion zeige ich dir, wie du dein Equipment so behandelst, dass es für dich arbeitet und so lange wie möglich stand hält.
Ein Hufmesser zu schärfen ist durch die gebogene Klinge und den Haken (die Rinne) anspruchsvoller als bei einem Küchenmesser.
Die richtige Feile: Nutze am besten eine feine Diamantfeile.
Der Winkel: Halte den Winkel der originalen Schneidphase ein (meist ca. 20–30 Grad). Schleife immer nur die Innenseite (die hohle Seite), um die flache Außenseite als Führungsfläche zu erhalten.
Der Haken: Vergiss den Haken nicht! Mit einer kleinen Rundfeile oder dem Ende des Wetzstabs muss auch dieser scharf gehalten werden, damit du Strahlfurchen ohne Reißen säubern kannst.
Beim Schleifen entsteht auf der Rückseite der Klinge ein feiner Metallgrat.
Das Abziehen: Dieser Grat muss entfernt werden, damit das Messer wirklich schneidet.
Schau dir die Klinge genau an. Die allermeisten Messer sind bereits ab Werk gut geschliffen und du brauchst den Schliff eigentlich „nur“ erhalten. Im wesentlichen besteht der Schliff aus zwei Teilen: dem langen Anschliff und der eigentlichen Schneide.

Mit jedem Mal schärfen musst du von beidem ein wenig Material abtragen. Würdest du jedes mal nur die Schneide schleifen würde diese immer Größer und würde irgendwann einen zu großen Wiederstand beim schneiden darstellen. Halte die Schneide max. ca. einen Millimeter breit.

Das heißt der erste Schritt beim nachschleifen ist, den langen Anschliff zu bearbeiten. Dazu legst du dein Schärfwerkzeug entsprechend dem Winkel des langen Anschliffs auf die gesamte Breite auf und trägst dort in langen Zügen gleichmäßig Material ab. Deine eigentliche Schneide wird dann kleiner. Kurz bevor die Schneide fast vollständig verschwunden ist wechselst du mit deinem Schärfwerkzeug den Winkel und widmest dich jetzt der eigentlichen Schneide.

Ziehe dann dein Schärfwerkzeug ein paar mal an der Schneide entlang bis du auf der Rückseite des Messers einen kleinen Grat spürst.

Diesen ziehst du dann im letzten Arbeitsschritt ab und schon ist dein Messer wieder einsatzbereit.

Im Idealfall hältst du dein Messer in sehr kurzen Abständen immer scharf. Ich persönlich schärfe mein Messer nach jedem Pferd bzw. nach jeder Hufbearbeitung. Denn je stumpfer das Messer mit der Zeit wird, desto aufwendiger wird es, es wieder nach zu schleifen.
EFORS-Keynote: „Deine Werkzeugkiste ist deine Visitenkarte als Horseman. Wer sein Werkzeug pflegt, zeigt, dass er die Details der Arbeit ernst nimmt. Dein Pferd wird den Unterschied bei jedem präzisen Schnitt spüren.“
Gewöhne dir eine 2-Minuten-Routine an, sobald du fertig bist:
Reinigen: Raspel abbürsten, Messer abwischen.
Abziehen: Das Messer kurz 5-10 Mal über das Abziehleder ziehen.
Ölen: Ein Tropfen Öl auf die Gelenke (falls vorhanden) und ein kurzer Wisch über die Metallflächen als Rostschutz.
Lagern: Werkzeug in eine Tasche oder Halterung stecken, statt es lose im Auto oder Stall herumliegen zu lassen.
Damit haben wir Modul 3 abgeschlossen! Du hast jetzt das Wissen über das Auge (Modul 2) und das Werkzeug (Modul 3).
Jetzt sind wir bereit für den „Heiligen Gral“: Modul 4 – Die praktische Umsetzung am Huf. Hier führen wir alles zusammen und gehen Schritt für Schritt das EFORS-Protokoll durch.