Hufanalyse Beispiel
Auf dieser Seite siehst du eine beispielhafte, gekürzte Hufanalyse inkl. Bearbeitungs-Empfehlung, wie sie in etwa für dein Pferd aussehen könnte.
Huf- & Biomechanikanalyse
Stammdaten & Anamnese
Kitty ist recht introvertiert und äußert sich sehr wenig nach außen über das was sie fühlt oder denkt. Wenn es aus ihr heraus platzt, dann hat sich im Vorfeld schon einiges angestaut.
Kitty ist verhältnismäßig klein, sehr kräftig gebaut und eher ein schwerer Typ. Vorne steht sie oft etwas rückständig und sehr eng.
Man könnte sagen Kitty ist aus gesundheitlichen Gründen in Frührente.
Arthrose im Karpalgelenk VR.
Kitty steht das ganze Jahr über 24/7 im Offenstall.
Dies ist eine Beispiel Analyse 😉
Huf-Symmetrie & Status
Winkelungen & Achsen-Verhältnis
Onside (links)
Offside (rechts)
Ziel der Hufbearbeitung sollte es sein, das Pferd entsprechend der anatomischen Vorgaben möglichst gerade auszurichten, um die Lebensqualität und die Leistungsbereitschaft zu verbessern.
Die Ungleichmäßigkeiten, die wir hier bei Kitty sehen, ergeben sich aus der natürlichen Asymmetrie sowie der daraus resultierenden schief gewachsenen Hufe. Alle Auffälligkeiten ergeben dabei ein schlüssiges Gesamtbild und „normales“ Muster.
VL: Ausgehend von der Winkelung der Schulter ist dieser Huf zu flach und sollte etwas steiler gestellt werden. Aus der Medio-Lateralen-Imbalance ergibt sich, dass hier vor allem der mediale Teil der Zehe vermehrt gekürzt werden sollte.
VR: Ebenfalls von der Schulter ausgehend, ist dieser Huf zu steil und sollte flacher gestellt werden. Hier sagt uns die Medio-Laterale-Imbalance, dass die Trachten vermehrt außen gekürzt werden sollten.
HL: Dies ist der „steile“ Hinterhuf, der dem steileren Vorderhuf diagonal gegenüberliegt. Beide Hinterhufe sind etwas zu flach und sollten steiler gestellt werden. Bei diesem Huf ist dabei vermehrt die laterale Seite der Zehe zu kürzen.
HR: Der, dem flachen Vorderhuf gegenüberliegende, flachere Hinterhuf sollte vor allem im Bereich der medialen Zehe vermehrt gekürzt werden.
Biomechanische Auswertung & Bearbeitungs-Empfehlung
Natürliche, diagonale Asymmetrie
Bei deinem Pferd zeigt sich ein klassisches, diagonales Asymmetriemuster der Hufe:
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Vorne Links (flach) & Hinten Rechts (flach): Das diagonale Trägerpaar.
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Vorne Rechts (steil) & Hinten Links (steil): Das diagonale Schubpaar.
Dieses Muster ist in den allermeisten Fällen kein Produkt schlechter Bearbeitung, sondern die biomechanische Antwort auf die natürliche Schiefe des Pferdes (vergleichbar mit der Links- oder Rechtshändigkeit beim Menschen).

Die biologische Schiefe & die „Lieblingsseite“
Aufgrund der Hufgeometrie lässt sich ableiten, dass dieses Pferd eine hohle Seite nach Rechts hat. Das bedeutet:
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Die rechte Körperseite ist die „konkave“ (hohle) Seite: Hier ist die Muskulatur tendenziell verkürzter. Das Pferd weicht hier Last aus und schiebt vermehrt über die diagonale Schulter nach vorne-links weg. Der vordere rechte Huf (VR) wird dadurch weniger tragend belastet und entwickelt sich zum steileren Schubhuf.
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Die linke Körperseite ist die „konvexe“ (dehnbare) Seite: Das Pferd fällt genetisch bedingt gerne über die linke Schulter aus. Um dieses Gewicht abzufangen, muss der vorne linke Huf (VL) massiv als Traghuf fungieren. Er wird platt gedrückt, die Trachten werden flacher, die Zehe läuft etwas mehr nach vorne aus.
Fazit für die Hufbearbeitung
Die Bearbeitung muss die Schiefe respektieren: Wir unterstützen den flachen Huf (VL), indem wir Hebel an der Zehe konsequent minimieren, und wir nehmen dem steilen Huf (VR) den Druck aus den hohen Trachten, ohne die Huffesselachse zu brechen.
Medio-Laterale-Imbalance
Bei der erweiterten Analyse zeigt sich bei diesem Pferd ein verschachteltes, diagonales Muster. Es drückt sich nicht nur in den unterschiedlichen Winkeln der Hufe aus, sondern auch in einer seitlichen (medio-lateralen) Verwindung durch ungleichmäßiges Hufwachstum, das aus der natürlichen Asymmetrie resultiert:

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Vorne Links (flach & medial high): Der flachere Traghuf zeigt einen hochgedrückten inneren Hufknorpel.
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Vorne Rechts (steil & lateral high): Der steilere Schubhuf zeigt einen hochgedrückten äußeren Hufknorpel.
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Hinten Links (steil & lateral high): Der steilere Schub-Hinterhuf zeigt einen hochgedrückten äußeren Hufknorpel.
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Hinten Rechts (flach & medial high): Der flachere Trag-Hinterhuf zeigt einen hochgedrückten inneren Hufknorpel.
Die Biomechanik: Die diagonale Spirale im Körper
Dieses Muster zeigt uns eine klassische, rotierende Schiefe.
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Der Schub von hinten links: Das linke Hinterbein generiert kräftigen Schub, drückt sich aber über die Außenkante weg. Dieser biomechanische Impuls schiebt die Last des gesamten Pferdekörpers diagonal nach vorne rechts.
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Die Reaktion vorne rechts (steil / lateral high): Um diesem massiven Schub zu begegnen, stemmt sich das rechte Vorderbein gegen die Last. Es wird zum steilen Schubhuf. Weil das Gewicht nach links abgeleitet wird, erfährt die Außenseite (lateral) dieses Hufes eine Entlastung. Durch die verringerte Last wird die Wand dort besser durchblutet, wächst schneller nach unten und schiebt den lateralen Hufknorpel aktiv nach oben.
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Das Kollabieren nach vorne links (flach / medial high): Aus dieser Dynamik heraus bricht der Rumpf nach vorne links ein – das Pferd fällt extrem über die linke Schulter. Der flachere Huf VL muss dieses rotierende Gewicht abfangen. Da die Last nach außen-vorne drückt, wird die Außenseite des Hufes vermehrt belastet. Das führt hier zu vermehrtem Wandwachstum auf der inneren Hufseite, was den medialen Hufknorpel hochdrückt.
Nachbearbeitete Huf-Perspektiven
Betrifft alle Hufe
Laterale Ansicht (Von außen – zeigt die Huffesselachse im Profil) Ansicht
Auf diesem Bild ist schön zu erkennen, dass die Fesselachse VR leicht nach vorne gebrochen und im Vergleich zur Schulter zu steil ist. Daraus ergibt sich, dass die Trachten VR gekürzt werden sollten, um den Winkel der Fesselachse mehr an den Winkel der Schulter anzugleichen.
Darüber hinaus ist zu erkennen, dass die Verlängerung des Kronrandes des Hinterhufes leicht über das Karpalgelenk VR rechts zeigt, was bedeutet, dass der Huf etwas zu flach ist und die Zehe gekürzt werden sollte, um den Winkel etwas steiler zu machen, so dass die Verlängerung des Kronrandes optimalerweise annähernd auf das Karpalgelenk ausgerichtet ist.
Betrifft alle Hufe
Dorsale Ansicht (Von vorne – zeigt die Zehenwand und die Symmetrie) Ansicht
Dieses Bild zeigt die Zusammenhänge zwischen beiden vorderen Hufen. Der etwas zu steile Huf VR drückt, durch die zu langen Trachten, den Oberkörper nach links (aus Sicht des Pferdes). Dadurch wird die laterale Seite des Hufes VL vermehrt belastet, was zu einer verminderten Durchblutung der entsprechenden Hufseite führt, wohingegen die mediale Seite normal durchblutet wird. Somit wächst die normal durchblutete Hufseite aufgrund der besseren Nährstoff Versorgung schneller, was dazu führte, dass die Zehe innen zu lang wurde und gekürzt werden sollte.
Vorne Rechts
Palmare / Plantare Ansicht (Von hinten – zeigt die Trachtenhöhe und Hufknorpel) Ansicht
Dieses Bild zeigt die Medio-Laterale-Imbalance des Hufes VR. Vergleicht man die Abstände zwischen den höchsten Punkten der Hufknorpel (im Bereich der gelben Ovale) und der Unterseite der Trachten, fällt auf, dass die laterale Seite länger ist. Auch das resultiert aus der natürlichen Asymmetrie, durch die der Huf VR kleiner und steiler ist. Dadurch, dass Kitty mehr auf VL lehnt, wird der Huf VR medial mehr belastet woraus sich ein schnelleres Wachstum auf der lateralen Seite ergibt. Hier sollte vor allem die laterale Trachte vermehrt gekürzt werden.
Vorne Rechts
Solare Ansicht (Von unten – zeigt die Tragfläche, Strahl und Sohle) Ansicht
Dieses Bild bestätigt die These: Hier ist deutlich zu sehen in welche Richtung der Strahl „zeigt“. Erkennbar an den unterschiedlich großen Strahlfurchen. Die mediale Strahlfurche ist deutlich schmaler als die laterale. Auch die mediale Wand, vor allem im Bereich der Zehe, zeigt vermehrt nach innen. Strahl und Zehenwand „flüchten“ vor dem Druck, das bedeutet, der größte Druck liegt aktuell im Bereich der lateralen Hufwand, dort vor allem im Bereich der Trachte. Auch daraus ist erkennbar, dass bei dem Huf VR die laterale Wand, vorzugsweise die Trachte gekürzt werden sollte.



