Um den 7 Säulen Kodex besser zu verstehen, habe ich hier mal ein paar der gängigsten Probleme den 7 Säulen zugeordnet:

Symptome beim Menschen

Das ist ein sehr klassisches und tiefgreifendes Symptom, das fast jeder Reiter kennt. In dem System der 7 Säulen lässt sich die Angst vor Kontrollverlust primär drei Säulen zuordnen, wobei eine die Hauptrolle spielt:

1. Hauptsäule: Die Emotionale Resilienz (Säule 2)

Angst ist eine Emotion. Wenn der Mensch Angst vor Kontrollverlust hat, fehlt es an der Fähigkeit, die eigene emotionale Reaktion auf das Verhalten des Pferdes zu regulieren.

  • Die Dynamik: Das Pferd macht einen Satz, der Reiter bekommt Angst, wird fest, hält die Luft an. Das Pferd spürt die Anspannung, bekommt selbst Angst – die Kontrolle geht verloren.
  • Lösung durch den Kodex: Der Mensch muss lernen, zum „Fels“ zu werden, der Gefühle wahrnimmt, aber nicht von ihnen weggespült wird.

2. Die Unerschütterliche Präsenz (Säule 1)

Kontrollverlust findet oft in der Zukunft statt („Was ist, wenn er gleich losrennt?“).

  • Die Dynamik: Der Mensch ist im Kopf nicht im Hier und Jetzt beim Pferd, sondern bei einem Katastrophenszenario. Wer nicht präsent ist, kann nicht führen. Das Pferd merkt, dass der „Chef“ geistig abwesend ist und übernimmt selbst die Regie (oft aus Unsicherheit).
  • Lösung durch den Kodex: Zurück in den Moment kommen. Den Kontakt spüren, anstatt das Szenario zu visualisieren.

3. Die Logik der Konstante (Säule 4)

Oft resultiert die Angst vor Kontrollverlust daraus, dass keine klare Kommunikation etabliert wurde, auf die sich beide verlassen können.

Lösung durch den Kodex: Verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Wenn das Pferd weiß, dass X immer Y bedeutet, wird es berechenbar – und die Angst des Menschen schwindet.

Die Dynamik: Der Mensch ist mal sehr streng, dann wieder sehr locker (inkonstant). Das Pferd weiß nicht, woran es ist, und wird unberechenbar. Diese Unberechenbarkeit führt beim Menschen zur Angst vor dem nächsten Kontrollverlust.

Das ist die „stille“ Schwester der Angst, aber mit einer anderen Dynamik. Während die Angst oft explosiv ist, ist Unsicherheit eher ein lähmender Dauerzustand. Im 7 Säulen System ist das ein klassischer Fall für die Säulen, die sich mit der inneren Haltung und der Klarheit beschäftigen.

1. Hauptsäule: Die Unverfälschte Absicht (Säule 5)

Unsicherheit entsteht oft dort, wo die eigene Absicht „verwaschen“ ist.

  • Die Dynamik: Der Mensch fragt das Pferd nach etwas (z. B. Angaloppieren), ist sich aber nicht sicher, ob er es wirklich will oder ob es klappen wird. Das Signal ist schwammig. Das Pferd spürt dieses Zögern und fragt zurück: „Meinst du das ernst?“ Wenn keine klare Antwort kommt, verliert das Pferd den Respekt oder wird selbst unsicher.
  • Lösung durch den Kodex: Die „Unverfälschte Absicht“ schult den Menschen darin, sich vor der Hilfe klar zu werden: Was will ich? Warum will ich es? Und stehe ich zu 100% dahinter?

2. Die Systemische Verantwortung (Säule 6)

Fehlendes Selbstbewusstsein rührt oft daher, dass der Mensch die Last der Entscheidung nicht tragen will oder kann.

  • Die Dynamik: Der Mensch hofft, dass das Pferd „funktioniert“, ohne dass er aktiv führen muss. Er gibt die Verantwortung ab. Wenn das Pferd dann eigene Entscheidungen trifft (die dem Menschen nicht gefallen), sinkt das Selbstbewusstsein weiter.
  • Lösung durch den Kodex: Verantwortung als Privileg begreifen. Der Mensch lernt, dass er die Rahmenbedingungen setzt. Das gibt ihm Macht zurück – und Macht (im Sinne von Handlungsfähigkeit) erzeugt Selbstbewusstsein.

3. Die Faire Ökonomie (Säule 7)

Unsichere Menschen neigen dazu, entweder „zu viel“ zu machen (aus Verzweiflung) oder „gar nichts“ (aus Sorge, etwas falsch zu machen).

Lösung durch den Kodex: Durch die „Faire Ökonomie“ lernt der Mensch: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Wenn der Mensch merkt, dass er mit einem minimalen Signal eine Reaktion bekommt, wächst sein Vertrauen in die eigene Wirksamkeit (Selbstbewusstsein).

Die Dynamik: Es findet kein fairer Austausch von Energie statt. Der Mensch „bettelt“ das Pferd oft an oder korrigiert viel zu spät und dann zu heftig. Das Pferd wird stumpf oder genervt.

Das ist ein Symptom, das oft als „Arbeitswillen“ missverstanden wird, in Wahrheit aber purer Stress im System ist.

Im 7-Säulen-Kodex ordnen wir Unruhe, Übereifer und Hektik wie folgt zu:

1. Hauptsäule: Das Absolute Timing (Säule 3)

Hektik entsteht oft, wenn der Druck (die Hilfe) nicht im Moment der richtigen Antwort nachlässt.

  • Die Dynamik: Das Pferd versucht, dem Druck zu entkommen, indem es „vorausahnt“ oder schneller wird. Wenn der Mensch dann nicht exakt im Moment des ersten richtigen Ansatzes den Druck komplett wegnimmt, fängt das Pferd an zu rotieren. Es wird hektisch, weil es keinen Ausweg findet.
  • Lösung durch den Kodex: Du schulst den Menschen im Absoluten Timing. Ruhe entsteht im Kopf des Pferdes durch den Moment des Loslassens. Wenn das Timing stimmt, versteht das Pferd: „Ich muss nicht rennen, ich muss nur zuhören.“

2. Die Logik der Konstante (Säule 4)

Übereifer ist oft eine Schutzreaktion auf Unberechenbarkeit.

  • Die Dynamik: Wenn Signale mal so und mal so gegeben werden, gerät das Pferd in einen Zustand von „Hyper-Vigilanz“. Es versucht, alles gleichzeitig zu machen, um ja nichts falsch zu machen. Hektik ist hier die Angst vor der nächsten, unlogischen Korrektur.
  • Lösung durch den Kodex: Die Logik der Konstante bringt Vorhersehbarkeit. Ruhe kehrt ein, wenn das Pferd weiß: „Auf A folgt immer B.“ Ein berechenbarer Anführer (der Fels) strahlt Ruhe aus, die das hektische Pferd „erdet“.

3. Die Unerschütterliche Präsenz (Säule 1)

Hektik beim Pferd ist oft der Spiegel der inneren Getriebenheit des Menschen.

Lösung durch den Kodex: Der Mensch muss lernen, seine eigene Präsenz so weit herunterzufahren, dass er zum energetischen Anker wird. Wenn der Mensch tief atmet und im „Jetzt“ verweilt, kann das Pferd sein Tempo nicht halten und muss sich anpassen.

Die Dynamik: Der Mensch ist gedanklich schon drei Schritte weiter (beim nächsten Manöver oder beim Zeitplan). Er ist nicht präsent im Körper des Pferdes. Das Pferd spürt diese „vibrations“ und fängt an zu zappeln, weil es die fehlende Präsenz des Menschen als Instabilität wahrnimmt.

Das ist ein spannender Punkt, denn fehlendes Fachwissen ist im Grunde die einzige „rationale“ Hürde. Während Angst oder Hektik oft emotionale Blockaden sind, ist das hier ein Defizit an Information.

Inm 7-Säulen-Modell greift das fehlende Fachwissen an Stellen ein, die für die Sicherheit und die Ethik entscheidend sind. So ordnen wir es ein:

1. Hauptsäule: Die Systemische Verantwortung (Säule 6)

Wer sein Pferd führen will, muss verstehen, wie das „System Pferd“ funktioniert – biologisch, biomechanisch und psychologisch.

  • Die Dynamik: Ein Mensch ohne Fachwissen überlastet sein Pferd vielleicht körperlich (falsche Versammlung) oder psychisch (Überforderung), ohne es zu merken. Er kann die Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlergehen nicht voll übernehmen, weil er die Warnsignale nicht „lesen“ kann.
  • Lösung durch den Kodex: Sich das nötige Wissen (wie z.B. den Huf-Check), aneignen damit der Mensch zum kompetenten „Manager“ seines Pferdes wird. Wissen ist die Basis für echte Verantwortung.

2. Das Absolute Timing (Säule 3)

Timing ist keine reine Gefühlssache, sondern basiert auf Wissen über die Lerntheorie (Druck/Nachgeben).

  • Die Dynamik: Ohne das Fachwissen darüber, wann ein Pferd eine Hilfe physisch überhaupt ausführen kann (z.B. die Hinterhand nur setzen kann, wenn das Bein in der Luft ist), wird das Timing immer zufällig bleiben.
  • Lösung durch den Kodex: Wissen über die biomechanischen Fakten. Wenn der Mensch weiß, wie sich das Skelett des Pferdes bewegt, wird sein Timing präzise und logisch.

3. Die Faire Ökonomie (Säule 7)

Ohne Fachwissen ist es unmöglich, „fair“ zu sein.

Lösung durch den Kodex: Fachwissen über Hufe, Ausrüstung und Anatomie ermöglicht es dem Menschen, nur so viel Druck wie nötig zu machen. Es schützt das Pferd vor ungerechtfertigten Korrekturen.

Die Dynamik: Ein Mensch, der nicht weiß, dass sein Pferd aufgrund einer schlechten Hufstellung vielleicht Schmerzen hat, wird das Zögern des Pferdes als „Ungehorsam“ interpretieren und mehr Druck machen. Das ist zutiefst unökonomisch und unfair.

Verhaltensweisen des Pferdes

Wenn das Pferd nicht alleine ins Gelände gehen will, spiegelt es uns meist eine fundamentale Frage der Hierarchie und Sicherheit zurück: „Bist du wirklich in der Lage, mich vor der Welt da draußen zu schützen?“

Hier ist die Zuordnung im Spiegel der 7 Säulen:

1. Die Unerschütterliche Präsenz (Säule 1) – Der Spiegel des Fokus

Wenn das Pferd im Gelände bei jedem Rascheln im Gebüsch erstarrt, spiegelt es oft, dass der Mensch geistig nicht „beim Pferd“ ist.

  • Der Spiegel: Das Pferd merkt, dass dein Fokus überall ist (beim Handy, bei der Angst vor dem Durchgehen, beim Stress im Büro), nur nicht im Hier und Jetzt. Wenn du nicht da bist, fühlt sich das Pferd schutzlos.
  • Die Lektion: Das Pferd fordert dich auf, präsent zu sein. Jede Sekunde. Du musst die Gefahr vor ihm sehen und sie mental bereits „gelöst“ haben.

2. Die Unverfälschte Absicht (Säule 5) – Der Spiegel der Entschlossenheit

Das „Kleben“ am Stalltor oder das ständige Umdrehen-Wollen ist oft ein direktes Echo auf eine schwammige Absicht des Menschen.

  • Der Spiegel: Du denkst vielleicht: „Ich probiere mal, wie weit wir kommen.“ Das Pferd liest dieses „Probieren“ als Unsicherheit. Es spiegelt dir dein Zögern zurück, indem es selbst die Entscheidung trifft, umzukehren.
  • Die Lektion: Du musst lernen, eine unverfälschte Absicht zu formulieren. Nicht „ich versuche es“, sondern „wir gehen jetzt bis zu dieser Eiche“. Das Pferd folgt der Klarheit deines Bildes.

3. Die Systemische Verantwortung (Säule 6) – Der Spiegel der Führung

Das Pferd geht nicht alleine, weil es die Herde als Schutzraum braucht. Es traut dir nicht zu, diesen Schutzraum allein durch deine Anwesenheit zu ersetzen.

Die Lektion: Du musst beweisen, dass du ein verlässlicher Anführer bist, der Gefahren einschätzt und regelt. Erst wenn das Pferd dich als „Herden-Ersatz“ akzeptiert, wird es entspannt mit dir alleine gehen.

Der Spiegel: Es zeigt dir, dass du in seinen Augen die Verantwortung für die Sicherheit noch nicht vollständig übernommen hast. Du bist in der „Herden-Hierarchie“ unter dem Pferd oder zumindest nicht souverän genug.

Wenn ein Pferd am Anbindeplatz oder beim Schmied zappelt, ist das selten „Böswilligkeit“. Es ist ein Spiegelbild der inneren Unruhe oder einer fehlenden Struktur im System Mensch-Pferd.

Hier ist die Einordnung im Spiegel der 7 Säulen:

1. Die Logik der Konstante (Säule 4) – Der Spiegel der Verlässlichkeit

Das ist oft der Hauptpunkt. Wenn das Pferd zappelt, spiegelt es uns, dass die „Regeln des Stillstehens“ für es nicht logisch oder konsequent etabliert wurden.

  • Der Spiegel: Der Mensch korrigiert mal das Zappeln, mal ignoriert er es, mal schimpft er erst nach fünf Minuten. Das Pferd spiegelt diese Inkonsequenz durch ständiges „Abfragen“ und Unruhe wider. Es weiß nicht, wo die Grenze genau ist.
  • Die Lektion: Du musst dem Pferd einen unerschütterlichen Rahmen geben. Stillstehen ist keine Option, sondern ein Zustand der Entspannung, der durch Konstanz geschützt wird.

2. Das Absolute Timing (Säule 3) – Der Spiegel der Kommunikation

Besonders beim Aufheben der Hufe spiegelt das Pferd dein Timing wider.

  • Der Spiegel: Wenn der Mensch den Huf erst absetzt, wenn das Pferd zieht, lernt das Pferd: „Ich muss ziehen, um den Huf zurückzubekommen.“ Das Zappeln ist die antizipierte Antwort auf schlechtes Timing. Das Pferd spiegelt deine Unfähigkeit wider, im richtigen Moment (bei Entspannung) loszulassen.
  • Die Lektion: Das Pferd fordert von dir Absolutes Timing. Du musst den Huf absetzen, bevor das Pferd ihn zurückfordert. So lernt es, dass Stillstehen und Nachgeben zum Ziel führen.

3. Die Faire Ökonomie (Säule 7) – Der Spiegel der Balance

Das Zappeln kann auch ein Spiegel körperlichen Unbehagens oder mentaler Überforderung sein.

Die Lektion: Du musst lernen, die Ökonomie der Situation zu lesen. Wie viel kann das Pferd gerade leisten? Wo muss ich unterstützen, statt zu strafen?

Der Spiegel: Wenn das Pferd beim Schmied unruhig wird, spiegelt es vielleicht, dass die Haltung (das Aufhalten) unökonomisch oder schmerzhaft ist (z.B. Arthrose, schlechte Balance). Oder es spiegelt, dass der Mensch mit zu viel Druck (Stimme, Rucken) agiert, was das „Energie-Konto“ des Pferdes sprengt.

Das ist ein Symptom, das viele Menschen tief im Stolz trifft. Wenn das Pferd auf der Koppel wegläuft, ist das die ehrlichste und direkteste Form der „Kündigung“ der Zusammenarbeit. Es spiegelt uns gnadenlos den Zustand unserer Beziehung im Hier und Jetzt.

Hier ist die Einordnung im 7 Säulen Kodex:

1. Die Unerschütterliche Präsenz (Säule 1) – Der Spiegel der Energie

Pferde scannen unsere Energie schon auf 100 Meter Entfernung.

  • Der Spiegel: Oft gehen wir zum Pferd und denken bereits an das, was wir gleich „tun“ wollen (Putzen, Reiten, Training). Wir bringen eine „fordernde“ Energie mit auf die Koppel. Das Pferd spiegelt dir diesen Druck wider, indem es Distanz schafft. Es sagt: „Du willst was von mir, aber du nimmst mich gar nicht wahr.“
  • Die Lektion: Du musst lernen, präsent zu sein, ohne eine Erwartungshaltung. Geh auf die Koppel, um einfach nur „da“ zu sein. Wenn dein Pferd merkt, dass deine Präsenz keine Last bedeutet, wird es aufhören zu fliehen.

2. Die Systemische Verantwortung (Säule 6) – Der Spiegel der Zugehörigkeit

Ein Pferd, das wegläuft, entscheidet sich in diesem Moment aktiv für die Herde und gegen dich.

  • Der Spiegel: Es spiegelt dir, dass du in seinen Augen kein lohnenswerter „Sozialpartner“ bist. Die Sicherheit und der Komfort der Herde wiegen schwerer als das, was du zu bieten hast. Es zeigt dir, dass du die Verantwortung für eine positive gemeinsame Zeit (noch) nicht so trägst, dass das Pferd einen Nutzen darin sieht, bei dir zu sein.
  • Die Lektion: Werde zum „Place to be“. Das Training muss so gestaltet sein, dass das Pferd sich bei dir sicher und verstanden fühlt. Führung bedeutet auch, für das Wohlbefinden des Geführten zu sorgen.

3. Die Faire Ökonomie (Säule 7) – Der Spiegel von Geben und Nehmen

Das ist oft die „Abrechnung“ der letzten Wochen.

Die Lektion: Überprüfe deine Einzahlungen. Gibt es Momente, in denen du einfach nur Kraulen kommst? Gestaltest du die Arbeit fair? Wenn das Pferd weiß, dass die Zeit mit dir einen hohen „Gewinn“ (Komfort, Lob, Pausen) verspricht, wird es dir entgegenkommen.

Der Spiegel: Wenn die Zeit mit dir für das Pferd nur aus harter Arbeit, Stress oder körperlichem Unbehagen besteht, ist Weglaufen die logische ökonomische Entscheidung. Das Pferd spiegelt dir ein Ungleichgewicht auf deinem „Beziehungskonto“ wider. Es entzieht sich einer Investition, die sich für es nicht auszahlt.

Das ist vielleicht die wichtigste Lektion überhaupt, denn sie ist das Fundament für Sicherheit. Wenn ein Pferd den Menschen nicht ernst nimmt, spiegelt es eine Lücke in der inneren Hierarchie wider. Es sieht dich nicht als „Fels“, sondern eher als einen netten Zeitvertreib – oder im schlimmsten Fall als ein Hindernis, das man beiseite schieben kann.

Hier ist die Einordnung im Spiegel der 7 Säulen:

1. Die Unverfälschte Absicht (Säule 5) – Der Spiegel der Klarheit

Das ist der häufigste Grund. Das Pferd spiegelt dir dein eigenes Zögern wider.

  • Der Spiegel: Wenn du sagst „Geh bitte zurück“, aber innerlich denkst „Hoffentlich macht er es jetzt“, ist deine Absicht verwässert. Das Pferd liest diese Inkonsistenz sofort. Es nimmt dich nicht ernst, weil deine physische Hilfe nicht mit deiner mentalen Überzeugung übereinstimmt.
  • Die Lektion: Das Pferd fordert von dir eine unverfälschte Absicht. Du musst das Bild der fertigen Übung bereits in dir tragen, bevor du die Hilfe gibst. Wer innerlich klar ist, muss äußerlich nicht laut werden.

2. Die Systemische Verantwortung (Säule 6) – Der Spiegel der Führung

Ein Pferd, das den Menschen ignoriert, übernimmt oft selbst die Führung, weil es das Gefühl hat, dass die Position vakant ist.

  • Der Spiegel: Das Pferd spiegelt dir wider, dass du die Verantwortung für den Raum und die Bewegung nicht aktiv beanspruchst. Wenn du nicht entscheidest, wo ihr hingeht und wie schnell, dann macht es das Pferd. Es nimmt dich nicht als Entscheidungsträger wahr.
  • Die Lektion: Du musst lernen, den Raum einzunehmen. Führung ist ein 24/7 Job. Das Pferd muss spüren, dass du die Situation im Griff hast – in jeder Sekunde, vom Strick-in-die-Hand-nehmen bis zum Absatteln.

3. Die Logik der Konstante (Säule 4) – Der Spiegel der Integrität

Wenn Regeln heute gelten, aber morgen (weil du müde bist oder es regnet) ignoriert werden, verlierst du deine Glaubwürdigkeit.

Die Lektion: Werde zum Fels durch Konstanz. Deine Regeln müssen so sicher sein wie die Schwerkraft. Das gibt dem Pferd Sicherheit – und aus dieser Sicherheit entsteht Respekt.

Der Spiegel: Das Pferd spiegelt deine eigene Disziplinlosigkeit. Wenn du „Nein“ sagst, aber es beim dritten Mal durchgehen lässt, lernt das Pferd, dass deine Worte kein Gewicht haben. Es nimmt dich nicht ernst, weil du für es unberechenbar (unlogisch) bist.

Das Thema „Respekt“ wird in der Pferdewelt oft missverstanden. Viele setzen es mit Gehorsam oder sogar Angst gleich. Im 7 Säulen System ist mangelnder Respekt jedoch ein klarer Spiegel für eine fehlende Grenzziehung und eine instabile innere Statik des Menschen.

Wenn ein Pferd keinen Respekt hat (rempelt, drängelt, den Menschen ignoriert), spiegelt es dir Folgendes:

1. Die Systemische Verantwortung (Säule 6) – Der Spiegel der Raumhoheit

In der Welt der Pferde ist Raum das höchste Gut. Wer den Raum des anderen bewegt, führt.

  • Der Spiegel: Wenn das Pferd dich anrempelt oder dir beim Führen den Weg abschneidet, spiegelt es dir, dass du deinen eigenen Raum (deine „Bubble“) nicht als Verantwortung begreifst. Du lässt zu, dass deine Grenzen verletzt werden.
  • Die Lektion: Du musst lernen, die Verantwortung für deinen Individualraum zu übernehmen. Ein „Fels in der Brandung“ lässt sich nicht verschieben. Respekt entsteht in dem Moment, in dem du klar definierst, wo dein Raum beginnt und wo er endet.

2. Die Unverfälschte Absicht (Säule 5) – Der Spiegel der mentalen Stärke

Respektlosigkeit ist oft die Antwort auf eine „höfliche“ Unentschlossenheit.

  • Der Spiegel: Du bittest das Pferd vielleicht, zur Seite zu treten, aber deine Körpersprache sagt „Entschuldigung, darf ich mal kurz?“. Das Pferd spiegelt dir diesen Mangel an Absicht wider, indem es dich einfach stehen lässt oder gegen dich drückt. Es nimmt dich schlichtweg nicht als Autorität wahr, weil du nicht so wirkst.
  • Die Lektion: Respekt wird nicht erzwungen, sondern durch eine glasklare, unerschütterliche Absicht verdient. Wenn dein Bild im Kopf stark genug ist, weicht das Pferd deinem Geist, bevor es deinem Körper weichen muss.

3. Die Faire Ökonomie (Säule 7) – Der Spiegel der Angemessenheit

Respektlosigkeit kann auch entstehen, wenn der Mensch „unökonomisch“ kommuniziert – entweder zu leise (das Pferd stumpft ab) oder zu laut/aggressiv (das Pferd geht in den Widerstand).

Die Lektion: Lerne die Ökonomie der Hilfe. Sei so sanft wie möglich, aber so deutlich wie nötig – und das im exakt richtigen Moment. Ein fairer Anführer, der präzise Grenzen setzt, erzeugt ganz automatisch Respekt.

Der Spiegel: Ein respektloses Pferd spiegelt dir oft ein Ungleichgewicht in der Einwirkung. Vielleicht hast du in der Vergangenheit zu viel ignoriert und dann plötzlich „explodiert“. Das Pferd respektiert dich nicht, weil es dich als unberechenbar und unfair einstuft.